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Helmut Fritz verabschiedet sich vom Vorsitz des Sportkreises Wiesbaden / Blick auf Errungenschaften, Krisen und künftige Herausforderungen
Als Helmut Fritz vor 16 Jahren antrat, um Vorsitzender des Sportkreises Wiesbaden zu werden, stand er kurz vor seinem 70. Geburtstag. "Nun übergebe ich mit 85 das Amt an einen 70-Jährigen. Das nennt man heute Generationenwechsel", sagt er schmunzelnd. Wohlwissend, das auch das ein Schlaglicht auf das Nachwuchsproblem in den Führungsebenen von Verbänden und Vereinen wirft.
Im Vorfeld des Sportkreistags am Dienstag, 6. Mai, 19 Uhr, in der Turnhalle des TV Igstadt ist bislang niemand aufgetaucht, der dem aktuellen Fritz-Stellvertreter, ehemaligen Kreisfußballwart und nominierten Nachfolge-Kandidaten Dieter Elsenbast (Spvgg. Igstadt) das Amt streitig machen würde. Vor 16 Jahren war das anders. Nachdem Renate Kienast - damals in der CDU - ihren Hut in den Ring geworfen hatte. trat der langjährige Vorsitzende des Wiesbadener Kanuvereins - begrängt unter anderem von Sportstadtrat Klaus Bensberg - zur Kampfabstimmung an. Die entschied Fritz recht deutlich für sich, um in der Folge jeweils konkurrenzlos wiedergewählt zu werden.
Sportkreis aus der Versenkung geholt
"Der Sportkreis war ziemlich in der Versenkung verschwunden", erinnert er sich an die Anfänge. "Mein Ziel war, ihn da wieder herauszuholen. Und ich denke, das ist mir gelungen. Nicht nur beim inzwischen schon traditionellen 'Tag des Sports' zwischen Schloss und Rathaus oder per Werbung auf einem ESWE-Bus. Der Sport zeigt Flagge, ist mit Politik und Verwaltung bestens vernetzt."
In der Amtszeit des Biebrichers wurde das Spitzengremium des organisierten Sports in der Landeshauptstadt, das gerade noch eine neue Geschäftsstelle in der Diltheystraße bezogen hat, vor allem mit drei Herausforderungen konfrontiert: "Den zwei großen Flüchtlingsströmen, als einige Sporthallen gesperrt wurden, und Corona." Auch wenn es die Mitgliederzahlen insgesamt nicht mehr zu belegen scheinen, "die Bremsspuren der Pandemie sind heute noch sichtbar", betont er: "Es gab unheimliche Verwerfungen. Einige Vereine sind mausetot, existieren nur noch als Karteileichen." Der Sportkreis habe zu helfen versucht, "wann immer wir angerufen wurden und wo immer es ging". Aber es seien mit den strikten Lockdowns auch Fehler gemacht worden. "Dass wir unseren Kanuten beispielsweise nicht einmal mehr ein Boot rausgeben durften, wenn einer allein um die Au paddeln wollte, das war Unsinn."
Was sich in den 16 Jahren - verstärkt noch durch diese Krisen - geändert habe, "ist die Art, wie wir miteinander umgehen. Das Zusammenleben in den Vereinen, wie wir es früher gekannt haben, gibt es nicht mehr". Zu zeitlich begrenzten Projekten würden sich noch Mitarbeiter finden, "aber kontinuierlich Verantwortung übernehmen, mag kaum noch jemand". Die allenthalben um sich greifende "unerträgliche Forderungsmentalität" sei längst auch im Sport spürbar. Auch die Digitalisierung und Zentralisierung in der Sportorganisation sieht er als schädliche Entwicklung. Mit Grauen denkt an manche Skype- und Zoom-Sitzung. "Der Landessportbund hat einen riesigen Verwaltungsapparat aufgebaut. Vieles läuft mittlerweile direkt zwischen den Vereinen und dem LSB - unter Umgehung der Sportkreise. Dass da Verbindungen gekappt wurden, ist fatal. Wir müssen wieder mehr eingebunden werden."
Ein besonderes Problem sieht Fritz in der Kinder- und Jugendarbeit auf seinen Nachfolger und die Vereine zukommen, wenn von 2026 an ein Anspruch auf Ganztagsbetreuung besteht. "Wenn man bis um 16 Uhr in der Schule ist, wer geht da anschließend noch ins Training?" Zudem überfordere die zeitliche Verdichtung am späten Nachmittag die personellen Ressourcen der Vereine und die Kapazitäten der Sportanlagen.
Lob für umfangreiche Unterstützung der Stadt
Wobei der Sportkreisvorsitzende noch einmal die umfangreiche Unterstützung durch die Stadt hervorhebt und ein wenig Dankbarkeit anmahnt. In Wiesbaden seien mittlerweile fast alle Sportplätze in Kunstrasenplätze umgewandelt worden, es entstehe für Schwimmer und Eisläufer gerade der Sportpark Rheinhöhe, mehrere neue Sporthallen seien gebaut worden, ältere würden saniert. "Und wenn ich bei Gremiensitzungen des Landessportbunds den Kollegen aus anderen Kommunen dann noch erzähle, dass unsere Vereine die städtischen Anlagen nach wie vor zum Nulltarif nutzen dürfen, ernte ich regelmäßig fassungsloses Staunen und neidische Blicke."
Helmut Fritz blickt zufrieden zurück, ist aber auch froh, dass für ihn das Kapitel als Sportkreisvorsitzender am 6. Mai abgeschlossen ist: "Ich habe mich immer an die Spitze der Bewegung gestellt. Wenn man aber das Gefühl hat, statt gestalten nur noch verwalten zu können, ist es - unabhängig vom Alter - an der Zeit, nun aufzuhören."
Artikel von Heinz-Jürgen Hauzel, der diese Veröffentlichung freundlicherweise genehmigt hat, erschien am 2. Mai 2025 im Wiesbadener Kurier
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